Mittwoch, 12.06.2019

10. Juni

Die Gartenarbeit am Morgen geht immer besser von der Hand, seitdem ich weiß, wo ich alles dafür Notwendige finde.

Danach helfe ich beim Lunch für eine Schulklasse von etwa 10 – 11jährigen SchülerInnen. Die Klasse hat in einem Flüsschen, das zur Farm gehört, Wasserproben genommen, die nach dem Lunch analysiert werden.

Richtig spannend wird es am Nachmittag. Kelly, die Praktikantin aus den USA, und ich helfen auf der Nachbar- Schaffarm. Wie man auf dem Bild sieht, genießen die Schafe eine traumhafte Aussicht.

Zunächst werden die Mutterschafe und deren Lämmer auf eine andere Wiese getrieben. Da es keine Hunde gibt, die den Großteil der Arbeit machen, müssen wir Menschen zu viert deren Aufgabe mit erledigen. Also zwei menschliche „Leithammel“ vorweg, zwei weitere am Schluss der Herde, damit kein Schaf auf Abwege gerät. Der Weg führt auf einer Straße entlang, die Autofahrer warten mit erfreulicher Gelassenheit. Wir erhalten auf unseren Dank sogar ein Lächeln.

Auf der Weide angekommen, werden zunächst alle Schafe in einen Pferch getrieben. Dann müssen Mutterschafe und Lämmer getrennt werden, da sie eine unterschiedliche Behandlung brauchen. Also ein Lamm schnappen, in den Nachbarpferch setzen und dann ist das nächste dran. Klingt einfach, ist es aber nicht. Schließlich sind die Lämmer zwischen 10 und 25 kg schwer, und sie wehren sich …

Als das erledigt ist, beginnt für die Besitzerin der Herde die richtig harte Arbeit – wir anderen können nur Hilfsdienste leisten. Ein Lamm erwischen, vor sich auf den Boden setzen. Erst bekommt es eine Spritze gegen Würmer und andere Krankheiten, dann eine Medizin ins Maul. Anschließend werden die Füße mit einem Desinfektionsmittel eingesprüht, das Infektionen durch Verletzungen verhindern soll. Wieder auf den Füßen, wird der Rücken des Tieres gegen Fliegen eingesprüht. Die könnten ein Lamm in wenigen Tagen von innen heraus auffressen. Nette Vorstellung. Am Schluss noch die farbliche Besitzerkennung auffrischen, dann ist das nächste Lamm dran. Und das Ganze siebzig Mal.

Die Behandlung der Mutterschafe ist dagegen recht einfach. Nur eine Medizin ins Maul und das Anti-Fliegen-Mittel auf das Fell. Da die meisten Schafe aber keine Lust auf diese Behandlung haben, müssen wir sie jeweils zu zweit festhalten. Ich wusste gar nicht, wie viel Kraft Schafe haben.

Zum Abschluss werden alle Tiere auf die Weide getrieben, auf der sie die nächste Zeit bleiben können. Um 22 Uhr sind wir fertig und durchgefroren. Bei heißem Tee bzw. Toddy (Whiskey mit heißem Wasser und Zucker) und Sandwiches klingt der Tag bei einem netten Gespräch im Farmhaus aus.